Thomas Talaska,
Institut für durch Zecken übertragbare
Krankheiten e.V., Brieskow-Finkenheerd
Das nun schon traditionelle Symposium fand im März
2005 dieses Jahr im alten Hörsaal der Friedrich-Schiller-Universität
Jena statt. Etwa 200 Fachleute aus der ganzen Welt
berieten über tick-borne diseases,
das Hauptthema war RISIKO. Dies beinhaltete insbesondere
die Aufgaben der Epidemiologie, ökologische
Fragestellungen und der Stand der Präventionsmöglichkeiten.
Zu Beginn referierte Dr.Hampel, Stuttgart, über
das Problem Risikokommunikation zwischen Fachleuten
und der Bevölkerung und sprach vor allem die
Differenzen in dem rationalen und irrationalen Risikoverständnis
bei Lyme-Borreliose an, letzteres ist besonders
ein Problem bei den Medien.
Prof. Schröder, Vechta, zeigte das Potential
von Geografischen Informationssystemen (GIS) für
Zecken-übertragene Erkrankungen. Ausgangspunkt
ist hier die notwendige Erfassung der Infektionen,
deren geografische Verteilung und anschließenden
Analyse der Umweltdaten (Hydrologie, Klima, Biotope).
Im Ergebnis kann man hot spots definieren
und gezielte Prävention betreiben. Im Europäischen
Maßstab soll dies durch das Projekt EDEN
(Emerging diseases in a changing European Environment)
verwirklicht werden, das Teilprojekt tick-borne
diseases wird von Prof. S. Randolph, Oxford, geleitet.
Auch hier ist die Basis die Erfassung der Erkrankungshäufigkeiten.
Dr. Piesman, CDC Atlanta, berichtete über die
in den USA laufenden Programme zur Risikominimierung
durch Reduzierung der Zeckendichte. Mittels 4-poster-device,
einer Spezialapplikationsstelle für Akarizide
bei Hirschen, aber auch durch bait boxes
mit akarizidpäparierten Nistmaterial für
Mäuse war eine Reduktion der Nymphen, das Zeckenstadium
mit dem größten Risikopotential, zu mehr
als 65% zu erreichen. Borrelien können auch
das Verhalten von Zecken beeinflussen, infizierte
Zecken sind aktiver bei der Wirtssuche und haben
einen größeren Aktionsradius, ähnliche
Beobachtungen liegen auch von Prof. L. Gern, Neuchatel,
vor.
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| Universität Jena |
Dr.J. Piesman, CDC |
PD Dr. Faulde, Bundeswehrinstitut Koblenz, stellte
die ersten Ergebnisse über die längerfristige
Wirksamkeit von Akarizid-Polymer-beschichteten
Textilien vor, die in der Bundeswehr für
Uniformen zur Vorbeugung von vector-borne diseases
auch bei Auslandseinsätzen eingesetzt werden
sollen. Bewähren sich diese Verfahren bei
fehlender Toxizität für den Träger,
sind prinzipiell auch breite Einsatzgebiete im
zivilen Bereich, z. B. Forstwirtschaft oder für
Trekking-Urlauber, denkbar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit
müssen wir in Perspektive mit einer neuen
humanpathogenen Borrelien-Genospecies auch in
Deutschland rechnen. Wie Dr. Fingerle, München,
berichtete, konnte er die vorläufig als bezeichnete Art in
vier Fällen bei Erythema migrans finden.
Ob dies neue Probleme in der serologischen Diagnostik
mit sich bringt, muss noch offen bleiben.
Ganz kurz noch einiges zur FSME. In mehreren Vorträgen
und Postern konnte eine Zunahme der FSME-Inzidenz
in Skandinavien und besonders in den baltischen
Ländern beobachtet werden. Erstmals seit
1992 wurde auch in Mecklenburg-Vorpommern eine
autochtone FSME diagnostiziert. Prof. Rieger,
Wuppertal, zeigte, dass die Untersuchung von Kuhherden,
und zwar von Milchproben auf FSME-Antikörper,
frühzeitig eine lokale Viruszirkulation anzeigen
kann. Solche Proben sind leicht zu gewinnen und
die so gewonnene Antikörperprävalenz
ist nicht durch Reisetätigkeit oder Impfung
verfälscht. Einen neuen Ansatz für eine
FSME-Impfstoff stellte Dr. E. Goncharova, Koltosovo,
vor. Mit der intranasalen Applikation eines Glycoprotein-E-Peptides
des FSME-Virus konnte sowohl eine Mukosa-Immunität
als auch eine systemische Immunität erzielt
werden. Dieser interessante Ansatz berücksichtigt
damit auch den alimentären Übertragungsweg
der FSME, der gerade in den östlichen europäischen
Ländern immer noch nicht ganz selten ist.
Es ist nicht möglich, umfassend über
alle Aspekte der Tagung zu berichten. Das Hauptanliegen
- Vorbeugung im weitesten Sinne wurde aber auch
in den Pausen intensiv diskutiert und als richtungsweisende
Fragestellung für die nächste Zukunft
erkannt. Mit der Umsetzung der Meldepflicht für
die Lyme-Borreliose in Brandenburg haben wir hier
schon im Vergleich zu anderen Bundesländern
und auch im europäischen Maßstab einen
guten Vorlauf. Mit der Etablierung einer zentralen
Datenbank für alle Borreliose-Fälle
war es uns möglich, erstmals mittels GIS
(ArcView und EpiInfo) aktuelle Inzidenzdaten auf
Amts- und Gemeinde-Ebene vorzustellen, was international
auf großes Interesse gestoßen ist.
| Abb.1 |
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Brandenburg |
| Abb.2
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Brandenburg
1995-2004
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für 2004 vorläufige Zahlen bis
30.12.2004 |